Das Plusenergiehaus

Ein Haus gibt dem Menschen Unterkunft und das sprichwörtliche Dach über den Kopf. Es schirmt gegen Witterungseinflüsse wie Hitze, Regen und Kälte ab. Diese heute selbstverständlich erscheinenden Funktionen eines Hauses wurden im Laufe der Zeit durch wachsende Ansprüche an Komfort und Lebensqualität erweitert. Spätestens seit der Elektrifizierung der Haushalte sind es die Bewohner gewohnt, auch bei Dunkelheit in allen Räumen Licht zu haben. Außer für die Beleuchtung wurde Strom bald für alle denkbaren großen und kleine Geräte im Haus benötigt, vom Radio bis zur Waschmaschine. Im Winter sorgt die Heizung für wohlige Wärme. Auch Warmwasser gehört zum modernen häuslichen Umfeld dazu.

Mit zunehmender technischer Ausstattung der Wohnhäuser schnellte in den vergangenen Jahrzehnten der Energiebedarf nach oben. Lange Zeit wurden Häuser ohne Berücksichtigung ihrer energetischen Eigenschaften errichtetet. Wärmeisolierung und verbrauchsgünstige Haushaltsgeräte standen nicht im Mittelpunkt. Im Sinne eines nachhaltigen und umweltverträglichen Umgangs mit Energieressourcen besteht heute jedoch ein Bestreben, den Energieverbrauch zurückzufahren. Hierzu wurden von der Politik und Energieunternehmen diverse Anreize gesetzt. Das EU-Energielabel kategorisiert große und potentiell stromhungrige Elektrogeräte wie Waschmaschinen, Trockner und Fernseher in verschiedene Kategorien. Diese Energieverbrauchskennzeichnung hilft dem Verbraucher dabei, sich für verbrauchsgünstige Geräte zu entscheiden und auf Dauer die Stromkosten zu senken. Förderprogramme der KFW erleichtern den Bau oder Umbau eines konventionellen Hauses zu einem energiearmen und gut isolierten Haus. Ein besonders ehrgeiziges Projekt in diesem Zusammenhang ist das Plusenergiehaus oder Effizienzhaus-Plus.

Mit dem Plusenergiehaus wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Im Mittelpunkt des energetisch und ökologisch optimierten Haustyps steht ein effizienter Umgang mit Energie. Der Energieverbrauch im Plusenergiehaus wird durch bauliche und energetische Maßnahmen stark reduziert. Gleichzeitig werden regenerative Energiequellen wie Wärmepumpe und Photovoltaikanlage zur Energie-Versorgung der Bewohner genutzt. Der so entstandene Energieüberschuss wird auf verschiedene Weisen gespeichert oder in das öffentliche Versorgungsnetz eingespeist. Um dieses Ziel zu erreichen, werden beim Plusenergiehaus alle baulichen Komponenten bei der Planung sorgfältig aufeinander abgestimmt. Auch die Einteilung und Ausstattung der Räume mit Verbrauchern wie Lampen und Großgeräten wird auf höchste Energieeffizienz ausgelegt. Eine große Bedeutung kommt der Klimatisierung und der Heizung zu, da sich in diesem Bereich bei intelligenter Auslegung und unter Berücksichtigung der Luftströme im Haus beträchtliche Einsparungen erzielen lassen.

Abgrenzung zu Passivhaus und Nullenergiehaus

Das Plusenergiehaus setzt auf den Erkenntnissen und Erfahrungen auf, die mit dem Passivhaus und dem Nullenergiehaus gewonnen wurden. Diese beiden ökologisch vorteilhaften Haustypen unterscheiden sich in der Effizienz, mit der Energie eingespart wird. Das Passivhaus ist energetisch im Vergleich zu einem Niedrigenergiehaus viel günstiger. Ein nicht energieoptimierter Neubau verbraucht deutlich mehr Energie als ein Passivhaus.

Der Name Passivhaus basiert auf der passiven Art der Energienutzung. Zur energetischen Optimierung werden vornehmlich natürliche Ressourcen wie die Sonnenstrahlung und Erdwärme genutzt. Der Einspareffekt ergibt sich zum großen Teil aus dem Einsatz einer Wärmepumpe zur Erzeugung von Heizwärme und Warmwasser. Eine zusätzliche Beheizung des Hauses mit konventionell erzeugter Heizenergie findet nur bei längeren Kältephasen statt. Das Passivhaus besitzt Fensterflächen, die eine thermische Isolierung gewährleisten. Eine weitere Säule der Energieeffizienz sind eine effektive Dämmung und die bauliche Vermeidung von Wärmebrücken. Auch die geografische Orientierung des Hauses wird bei der Planung nach rein energetischen Gesichtspunkten vorgenommen. Alle großen Fensterflächen werden nach Süden ausgerichtet. Für die Fensterrahmen kommt isolierendes Material zum Einsatz. Ein ausgeklügeltes Lüftungssystem sorgt für die Wiederaufbereitung der Abluftwärme, so dass trotz effektiver Lüftung nur geringe Energieverluste anfallen.

Das Nullenergiehaus ist noch effektiver als das Passivhaus und besitzt eine ausgeglichene Energiebilanz. Es verbraucht ebenso viel Energie, wie es erzeugt. Somit trägt sich das Nullenergiehaus energetisch von selbst. Dieses Ziel wird durch nochmals verbesserte Dämmungsmaßnahmen und den Verzicht auf konventionelle Heizung und Warmwasseraufbereitung erreicht. Im Unterschied zum Passivhaus werden beim Nullenergiehaus weitere aktive Techniken eingesetzt, die über die Vermeidung von Energieverlusten hinaus regenerative Energien nutzen. Auch wenn das Nullenergiehaus im Jahresmittel eine autarke Versorgung des Hauses mit Energie erlaubt, muss in energieschwachen Phasen externe Energie zugeführt werden. Im Unterschied zum Plusenergiehaus werden daher Rückfallsysteme benötigt, um zum Beispiel bei schwacher Sonneneinstrahlung und in Kälteperioden ausreichend Strom und Wärme zu erzeugen.

Plusenergie Hausbau

Energetische Parameter

Um die mit der Errichtung eines Plusenergiehauses verbundenen Ziele zu erreichen, sollten alle den Energieverbrauch beeinflussenden Parameter bereits bei der Planung berücksichtigt werden. Die Nachhaltigkeit eines Gebäudes fängt mit dem Baugrund und der Lage an. Aus energetischer Sicht sollte das Haus möglichst wenig durch fremde Baukörper oder landschaftliche Elemente abgeschattet werden, um die Sonneneinstrahlung auch in der Übergangszeit und im Winter zur Erzeugung von Strom, Wärme und Warmwasser nutzen zu können. Ein wesentlicher Bestandteil der Planung besteht daher darin, den Sonnenlauf zu jeder Jahreszeit zu ermitteln und zu berücksichtigen. Auch wenn in der Nähe des Hauses stehende Bäume keine Abschattung des Hauses verursachen, sind vorübergehenden Energieeinbußen im Herbst denkbar, da Laub die Paneele der Photovoltaikanlage bedecken kann. Generell verlangen freistehende Häuser nach einer besonders aufwändigen Dämmung und benötigen mehr Heizenergie, da der Wärmeaustausch über alle Außenwände des Hauses stattfindet. Um diese Verluste so klein wie möglich zu halten, wird beim Plusenenergiehaus eine kompakte Bauform angestrebt. Jegliche Erker und verwinkelte Formen bei Wänden oder Dach sind zu vermeiden. Sie vergrößern die Kontaktfläche des Hauses und verschlechtern die thermische Resilienz.

Von großer Relevanz ist eine effektive Ausnutzung des Sonnenlichtes. Hierzu sind die nach Süden weisenden Fensterflächen des Hauses großzügig zu gestalten und im Winkel von 30° anzuordnen. Dieser Neigungswinkel sorgt in Zentraleuropa für eine optimale energetische Ausnutzung. Daher sind auch Solarkollektoren für die Warmwasseraufbereitung in diesem Winkel aufzustellen. Für das Plusenergiehaus sind Vakuumröhrenkollektoren den Flachkollektoren vorzuziehen. Vakuumröhrenkollektoren liefern mehr Wärmeenergie, sind jedoch auch teurer als die schlichter aufgebauten Flachkollektoren. Auf Grund ihrer höheren Ausbeute stellen sie die erste Wahl für Häuser mit positiver Energiebilanz dar.

Auch die Aufteilung der Räume im Plusenergiehaus ist von Bedeutung. Selten geheizte Zimmer sollten nach Norden zeigen, um in den von der Sonne aufgeheizten Räumen den Aufwand für Heizenergie zu reduzieren. Beim Zuschnitt der Räume ist zu berücksichtigen, dass große Grenzflächen zwischen unbeheizten und beheizten Zimmer zu Energieverlusten führen. Wenn sich zwischen den unterschiedlich temperierten Zonen räumliche Puffer wie Bad oder Korridor befinden, trägt dies zu einem geringeren Wärmeverlust bei.

Bereits mit der Architektur wird die Energieeffizienz des Plusenergiehauses maßgeblich beeinflusst. Was bei der Auslegung des Grundrisses und der Gestaltung der konstruktiven Elemente versäumt wird, kann durch andere Maßnahmen nicht mehr wettgemacht werden. Ein Hauptaugenmerk ist auf die Gebäudehülle zu legen, da eine gute Dichtheit und der Verzicht auf Wärmebrücken zur hohen Energieausbeute beiträgt. Auch Detaillösungen steigern die Energieeffizienz. Dazu zählen die Dämmung von Rohrleitungen, kurze Rohrwege für die Durchleitung von Warmwasser und ein intelligentes Energiemanagement. Rollladen und Jalousien lassen sich durch gebäudetechnische Installationen so automatisieren, dass sie einen je nach Sonnenstand und Raumtemperaturen optimalen Öffnungs- und Anstellwinkel erhalten. Mit dem Konzept des Smart Home lassen sich Elektrogeräte aller Art so steuern, dass ein möglichst sparsamer Energieverbrauch auftritt. Energiefresser im Haushalt lassen sich mit Strommessgeräten identifizieren und durch effizienter arbeitende Geräte ersetzen. Auch bei der Beleuchtung ist innen wie außen auf energiesparende Systeme wie LED-Lampen zu setzen. Photovoltaik-Anlagen und Solarkollektoren tragen zur guten Energieausbeute des Plusenergiehauses entscheidend bei.

Planung, Technik, Nachhaltigkeit

Bei der Planung eines Plusenergiehauses liegt der Schwerpunkt auf einer Architektur und Bauweise, die Energieverluste auf ein Mindestmaß reduziert. Durch ein Zwiebelprinzip, wie es von der Funktionskleidung her bekannt ist, lassen sich Wärmeverluste drastisch reduzieren. Baustoffe werden hinsichtlich ihrer Fähigkeit zur Speicherung von Wärmeenergie ausgesucht. Zum Einsatz kommen effektiv wirkende Dämmstoffe, die in Verbindung mit dichten und porösen Stoffen für eine hohe Isolierung sorgen. Durch eine intelligente Schichtung der Bauhülle und die Kombination mit Dämmmaterialien lässt sich im Sommer Sonneneinstrahlung abweisen und im Winter die Wärme der Räume bewahren.

Die äußere Gestalt eines Hauses kann großen Anteil an der Energieeffizienz haben. Verwinkelte Außenwände, Balkone und abgesetzte Fassadenelemente können zu hohen Energieverlusten führen. Der Architekt eines Pulsenergiehauses orientiert sich bei der Auslegung des Plusenergiehauses daher am Konzept des Passivhauses und achtet darauf, derlei energetische Schwachstellen zu vermeiden. Das ideale Plusenergiehaus besitzt eine kubusähnliche, kompakte Form. Deswegen muss ein solches Haus nicht unwirtlich oder ungeschlacht erscheinen. Auch mit schlichten und reduzierten Strukturierungen der Fassaden lassen sich ästhetische Wirkungen erzielen. Das Design des Plusenergiehauses steht jedoch ganz im Dienste der Funktion. Durch die großen Fensterflächen auf der Südseite des Hauses wird eine große Transparenz erzielt, die den Eindruck der Kompaktheit relativiert und Raum für kreative Gestaltungen lässt.

Die Ausrichtung des Plusenergiehauses nach den Himmelsrichtungen und die Winkel, mit der Fensterflächen, Photovoltaikpanele und Solarkollektoren angebracht werden, spielt für die Energieausbeute eine entscheidende Rolle. Beim Plusenergiehaus soll die Sonnenstrahlung das gesamte Jahr über optimal verwertet werden. Im Sommer wird eine hohe Effizienz bei der photovoltaischen Verstromung und bei der Warmwasseraufbereitung durch Vakuumröhrenkollektoren gewährleistet. Mit strömungsoptimierter Lüftung, Rollladensteuerung und Dämmungsmaßnahmen lässt sich eine Aufheizung der Räume vermeiden. In der kalten Jahreszeit steht die Wärmegewinnung durch solare Energie im Vordergrund, während die Stromerzeugung durch die Photovoltaik-Anlage sinkt. An sonnigen Herbst- und Wintertagen wird der durch Sonnenstrahlung entstehende Treibhauseffekt genutzt, um die großzügig verglasten Räume an der Südseite zu erwärmen und Anlagen wie eine Wärmepumpe zu unterstützen.

Die autonome Stromerzeugung ist ein wesentlicher Bestandteil des Plusenergiehauses. In hiesigen Breitengraden arbeiten Photovoltaik-Anlagen nur im Sommer mit hoher Effizienz. Trotz der schwächeren Ausbeute im Winter lohnen sich die Anlagen und können bei entsprechender Auslegung einen Großteil des gesamten Energiebedarfs im Plusenergiehaus bereitstellen. Um Zeiten eines Energieüberschusses im Sommer mit sonnenarmen Zeiten in der dunklen Jahreszeit ausgleichen zu können, kann eine Photovoltaikanlage mit einem Solarstromspeicher erweitert werden. Solarkollektoren kommen für die Warmwasseraufbereitung und zur Unterstützung der Heizung in Frage. Eine sinnvolle Ergänzung zu Solarsystemen ist die Nutzung der Windkraft. Windräder lassen sich in städtischen Räumen aus baurechtlichen Gründen jedoch selten einsetzen. In ländlichen Regionen ist die Aufstellung kleiner Anlagen hingegen oft möglich. Sinnvoll sind Windräder in Gegenden, die regelmäßig von kräftigen Winden bestrichen werden. Windenergie kann auf Grund der begrenzten Größe einer häuslichen Anlage nur einen kleinen Teil des benötigten Stroms bereitstellen.

Frische Luft ist wichtig für das Wohlbefinden der Bewohner, daher muss im Sommer wie im Winter für eine effektive Belüftung und Klimatisierung gesorgt werden. Im Plusenergiehauses kommt der Lüftung eine große Bedeutung zu, denn bei konventionellen Lüftungsmethoden geht ein Großteil der Wärmeenergie verloren. Lüftungsanlagen mit aktiver Wärmerückführung stellen einen ständigen Luftaustausch sicher und unterbinden Wärmeverluste. Ein Wärmetauscher in der Lüftungsanlage entzieht der Abluft die Wärme. Moderne Anlagen können bis zu 80% der Wärme zurückbehalten. Alle Fenster sind in das Lüftungssystem einzubeziehen, um auch bei teilgeöffneten Fenstern für alle Bewohner eine zuträgliche und angenehme Luftzirkulation herzustellen. Am Computer lassen sich bereits bei der Planung des Plusenergiehauses die Luftströme im Haus bei verschiedenen Außentemperaturen, Sonnenständen und mit geöffneten oder geschlossenen Fenstern berechnen. Ein besonders effektiv arbeitendes Lüftungssystem lässt sich mit einer automatischen Steuerung der Ventilationssysteme erzielen. In verschiedenen Räumen wie Waschkeller, Küche und WC ist mit erhöhter Feuchtigkeit zu rechnen, die über angemessen ausgelegte Ventilierungen zügig abgeführt werden muss, um Schimmelbildung zu vermeiden. Die Luft aus diesen Räumen trägt jedoch auch einen überdurchschnittlichen Anteil zur Wärmerückgewinnung bei, so dass die zusätzliche für Ventilierung aufgewandte Energie sich rechnet.

Eine Wärmepumpe stellt dem Plusenergiehaus Heizwärme und Energie für die Aufbereitung von Warmwasser aus regenerativen Quellen zur Verfügung. Hierzu wird die Wärme von Kollektoren aus der direkten Umgebung des Hauses entzogen und einem Wärmetauscher im Keller zugeführt. Am effizientesten arbeiten Erdreichkollektoren. Je tiefer die Kollektoren in das Erdreich reichen, desto mehr Wärme lässt sich entnehmen, doch desto größer ist auch der Installationsaufwand. Vertikal in großer Tiefe eingebrachte Edreichkollektoren führen der Wärmepumpe die größte Wärmeenergie zu. Flach und in geringer Tiefe verlegte Kollektoren erfordern keinen großen Grabungsaufwand, stellen jedoch auch eine geringere Wärmeenergie zur Verfügung. Die Wärme der Kollektoren wird von einem flüssigen Medium wie Wasser aufgenommen und von einer Umwälzpumpe über isolierte Wasserrohre einem Wärmetauscher im Haus zugeführt. Der Wärmetauscher überträgt die Wärme aus dem primären Kreislauf an eine Wärmepumpe. Die Wärmepumpe erhöht die Wassertemperatur und gibt die Energieleistung an den Heizkreislauf und den Warmwasserspeicher des Hauses ab.

Eines der Kernthemen bei der Konzeption eines Plusenergiehauses ist die Befolgung der Nachhaltigkeit. Beim Bau wird auf die Verwendung umweltverträglicher Materialien geachtet. Alle Stoffe werden unter dem Gedanken ausgesucht, sie zu einem späteren Zeitpunkt ohne große Energieverluste und umweltschonend recyceln zu können. Biogene Baustoffe fördern die Gesundheit der Bewohner und tragen zur Integration mit der umgebenden Landschaft bei. Der Neubau eines Plusenergiehauses soll keine schadstoffhaltigen oder unangenehmen Ausdünstungen abgeben, die zur Minderung der Aufenthaltsqualität beitragen. Daher werden auch Farben, Lacke, Flore und Wandbekleidungen nach ökologischen Gesichtspunkten ausgesucht. Holz ist ein naturnaher Rohstoff und bietet im Plusenergiehaus viele Vorteile. Bei der Auswahl der Hölzer werden ausschließlich Holzarten verwendet, die keine Bestände bedrohen und aus Forstgebieten der europäischen Region stammen. Ein wichtiges Kriterium ist der Verzicht auf CO2-Emission. Fossile Brennstoffe sollen im Plusenergiehaus nicht oder nur als Rückfallsysteme zur Anwendung kommen. Kann in der kalten Jahreszeit trotz effektiver Gebäudedämmung und trotz Einsatz der Wärmepumpe nicht ausreichend Wärmeenergie erzeugt werden, sind Erdgas und Fernwärme anderen Energieträgern vorzuziehen. Existiert am Errichtungsort weder ein Erdgas- noch ein Fernwärmeanschluss, bietet sich das fast rückstandsfrei verbrennende Flüssiggas als Energieträger für eine Zusatzheizung an. Bei Verwendung von Flüssiggas ist ein oberirdischer und unterirdischer Tank anzulegen, der mindestens einen Jahresvorrat fasst.

Das Hauptunterscheidungsmerkmal des Plusenergiehauses zu verwandten Konzepten wie dem Passivhaus und Nullenergiehaus ist die aktive Erzeugung von Energie. Das Ziel einer positiven Energiebilanz ist ambitioniert, aber durch konsequente Umsetzung in allen Bereichen erzielbar. Die Produktion eines Energieüberschusses macht das Plusenergiehaus zu einem gewissen Grad autark und weniger abhängig von externen Energielieferanten. Ein Plusenergiehaus erzeugt den Großteil des Stroms über eine auf dem Dach installierte Photovoltaikanlage. Wohnhäuser im Bereich landwirtschaftlicher Betriebe können Elektrizität auch aus der Verstromung von Biogas gewinnen. Windräder sind in außerstädtischen Bereichen ebenfalls im Zusammenhang mit einem Plusenergiehaus einsetzbar. Die Nutzung mehrerer regenerativer Energieträger fördert die Dezentralisierung der Stromwirtschaft und macht die Nutzung regenerativer Energien unmittelbar und ohne Übertragungsverluste. Energieüberschüsse lassen sich in das Versorgungsnetz einspeisen. Die sauber erzeugte Energie trägt zur ökologischen Verbesserung des Energiemixes bei.

Systeme im Plusenergiehaus im Detail

Zur Energieerzeugung im Plusenergiehaus kommen verschiedene Techniken zum Einsatz. Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen sorgen für Strom und Heizwärme.

Eine Photovoltaikanlage wird auf dem Dach des Plusenergiehauses montiert. Die Sonneneinstrahlung führt zu elektrischen Prozessen in den Solarzellen der Anlage und stellt eine Spannung in den mit Bor und Phosphor beschichteten Siliziumplatten her. Der so erzeugte Strom wird abgegriffen und dem Stromverteiler im Haus zugeführt. Der von Photovoltaikanlagen erzeugte Strom liegt als Gleichstrom vor und muss vom Wechselrichter des Stromverteilers zunächst in Wechselstrom umgewandelt werden. Auch zum Einspeisen in das öffentliche Netz des Stromversorgers wird Wechselstrom benötigt, denn nur Wechselstrom lässt sich über längere Strecken transportieren und erneut verteilen. Die Einspeisung in das Netz erfolgt, wenn bei starker Sonnenstrahlung viel Elektrizität von den Solarzellen erzeugt wird, im Haus jedoch kein großer Bedarf an Strom besteht. Da in vielen Haushalten der Höhepunkt des Stromverbrauchs am späten Nachmittag oder Abend auftritt, ergibt sich oftmals ein Versatz zwischen Stromangebot und Nachfrage. Die größte Ausbeute an Sonnenenergie wird um die Mittagszeit und am frühen Nachmittag erzielt, wenn die Hausbewohner zur Arbeit oder unterwegs sind. Treffen die Bewohner wieder ein und schalten Geräte wie Waschmaschine oder Fernseher an, liefern die Solarzellen nur noch wenig oder gar keinen Strom mehr. Eine Möglichkeit zur besseren Ausnutzung solarer Energie ist die Vorprogrammierung von Geräten. So lässt sich eine Waschmaschine dann starten, wenn mit der höchsten Energieausbeute durch die Photovoltaikanlage zu rechnen ist. Eine andere Möglichkeit ist die Speicherung der zu viel erzeugten Energie in einem Solarstromspeicher. Noch sind die Preise für Solarstromspeicher allerdings recht hoch, so dass die Anschaffung eine wirtschaftliche Prüfung erfordert. Ein Solarstromspeicher amortisiert sich erst nach 10 bis 20 Jahren. Es ist jedoch damit zu rechnen, dass die Preise für Solarstromspeicher in den nächsten Jahren fallen werden.

Eine Wärmepumpe liefert Heizwärme und trägt zur Warmwasseraufbereitung bei. Neben den besonders effizient arbeitenden Erdreichkollektoren lassen sich auch Kollektoren verwenden, die Wärme der Außenluft oder dem Grundwasser entziehen. Bei der Wahl der Kollektoren spielt auch die geografische Lage des Plusenergiehauses eine Rolle. Bei der Wahl der Kollektoren spielt auch die Bodenbeschaffenheit und die Topografie eine Rolle. Die Wärmepumpe funktioniert nach dem Prinzip des Kühlschranks, jedoch mit umgekehrter Funktion. Statt Kälte wird Wärme erzeugt und den Wohnräumen zugeführt. Bei Verwendung von Außenluftkollektoren ist bei kalten Außentemperaturen eine zusätzliche Heizung erforderlich.

Sonnenkollektoren dienen ebenfalls der Warmwasseraufbereitung und können auch zur Beheizung des Hauses beitragen. Das Prinzip ist relativ einfach: Wasser in den Röhren wird von der Sonnenstrahlung erwärmt und dem Heizkreislauf des Hauses zugeführt. Sonnenkollektoren sind ähnlich wie Photovoltaikanlagen so auszurichten, dass sie ganzjährig eine gute Ausbeute der Sonnenenergie ermöglichen. Unterschieden wird zwischen Flachkollektoren und Vakuumröhrenkollektoren. Flachkollektoren sind besonders preiswert, besitzen jedoch keine große Effizienz. Für das Plusenergiehaus empfehlen sich Vakuumröhrenkollektoren, da diese Systeme eine weit bessere Isolierung der Wärme und damit eine höhere Ausbeute der Sonnenstrahlung bieten. 

Auch ein Windrad kann im Zusammenhang mit einem Plusenergiehaus errichtet werden, wenn die geografische Lage eine aussichtsreiche Ausbeute verspricht. Windräder besitzen einen Generator, der die Drehung des Flügelrades in Strom verwandelt. Während eine Photovoltaikanlage auch an bewölkten Tagen eine gewisse Menge an Strom produziert, ist eine Windanlage weniger gut berechenbar. Daher sollte sie nur dort errichtet werden, wo mit regelmäßig einfallenden Winden zu rechnen ist. Dies trifft auf Küstenregionen ebenso zu wie auf viele Anhöhen. Auch die Windanlage braucht eine Baugenehmigung. Sie sollte sich ebenso wie das Plusenergiehaus organisch in die Landschaft einfügen und möglichst leise laufen, um Beschwerden der Nachbarschaft vorzubeugen. Eine andere Form der regenerativen Energiegewinnung ist eine Biogasanlage, die sich vollständig in einem Container integrieren lässt. Biogasanlagen kommen für Plusenergiehäuser landwirtschaftlicher Betriebe in Betracht.

Effiziente Haushaltsgeräte im Plusenergiehaus

Ein wichtiger Baustein im Konzept des Plusenergiehauses sind verbrauchsarme und nachhaltig arbeitende Haushaltsgeräte. Bei der Anschaffung von Waschmaschine, Geschirrspüler und Trockner wird auf Geräte mit geringem Energiebedarf geachtet. Die Beleuchtung der Räume und Außenbereiche wird durch sparsame LED-Lampen hergestellt. Auch die umgangssprachlich Energiesparlampen genannten Kompaktleuchtstofflampen tragen zur Reduzierung des Stromverbrauchs bei, sind aus ökologischer Sicht aber weniger nachhaltig. Das in Kompaktleuchtstofflampen enthaltene Quecksilber macht eine getrennte Entsorgung erforderlich und belastet die Umwelt.

Damit der Verbraucher bei großen Haushaltsgeräten eine Übersicht zum Stromverbrauch erhält und die Information nicht aus den Datenblättern der Hersteller herausfischen muss, wurde mit den EU-Energielabel ein leicht verständliches Klassifizierungssystem geschaffen. Geräte wie Waschmaschine, Trockner und Fernseher werden mit Buchstaben kategorisiert. Ein A+++ steht für die energieärmsten Geräte, die der Handel bietet. Derzeit wird an einer Überarbeitung der Klassifizierung gearbeitet, die auf die zusätzlichen Plus-Zeichen verzichtet und dem Verbraucher zukünftig eine noch einfachere Zuordnung der Geräte erlauben soll.

Bei der Identifizierung von Geräten mit hohem Stromverbrauch hilft ein Stromverbrauchmessgerät. Auch ein kleines Elektrogerät wie ein Toaster kann einen hohen Stromverbrauch haben. Bei der Auswertung der Daten und dem Vergleich der Geräte ist jedoch auch die durchschnittliche Nutzungsdauer zu beachten. Großgeräte wie ein Kühlschrank oder eine Gefrierkühltruhe sind in der Regel rund um die Uhr in Betrieb. Moderne Flachbildfernseher brauchen zwar weniger Strom als alte Röhrenfernseher, werden jedoch oft über mehrere Stunden täglich genutzt. Bei Fernsehern und Monitoren ist zu beachten, dass große Displays deutlich mehr Strom verbrauchen.

Je weniger Strom im Plusenergiehaus verbraucht wird, desto höher ist der Energieüberschuss. Das Haus ist als eine wirtschaftliche und ökologische Einheit zu betrachten.